Als Louie ihr Herz verlor ...
Louie und das Laufband
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Schuld und Sühne
Das Comeback
Du bist Griechenland
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Auf Entzug





Weihnachtsfreude
von Eva Krusat

www.grossstadtgazelle.de

Was habe ich getan, dass er mich so bestraft? War es die Weigerung, auf diese alle Jahre wieder stattfindende öde Firmenweihnachtsfeier mitzukommen? Ist er sauer, weil ich meinen beständig größer werdenden Pulk an Sportsachen in seinen Teil des Schranks ausgelagert habe? Oder ganz schlimm: Ahnt er meine schüchternen Gefühle für den neonfarbenen Crossradler, den ich neulich im Wald getroffen habe? Ich kann nur Vermutungen anstellen. Aber irgendetwas muss sein!

Von vorne. Es ist Heiligabend und wie in jeder halbwegs intakten Familie werden auch bei uns Geschenke ausgepackt. Besinnlichkeit pur. Die Kinder spielen, die Großeltern auch, und mein Mann reicht mir mit einem Vorfreude verheißenden Funkeln in den Augen ein vielversprechendes, in dunkelrotes Papier eingeschlagenes Paket. Ein Karton, eckig, aus Pappe. Vielleicht ein wenig breit, aber manche Hersteller von Sportartikeln machen ja ein unheimliches Gewese um ihre Verpackungen. Bingo! denke ich und freue mich wieder einmal über die vortreffliche Wahl, die ich bezüglich meines Ehemannes getroffen habe. Er hat es geschafft, meine Gedanken gelesen und mir die für den Winter dringend benötigten Crossschuhe besorgt. Ich liebe ihn! Voller Vorfreude fräse ich mich durch das Papier. K2 steht auf der Pappe. Hm, diesen Laufschuhhersteller kenne ich noch gar nicht. Aber nicht so schlimm, man soll Fremdem gegenüber aufgeschlossen sein. Nur das Gewicht des Kartons kommt mir etwas merkwürdig vor. Ich weiß, dass Crossschuhe eine etwas mächtigere Sohle haben als andere Laufschuhe, aber was ich hier auf dem Schoß habe, das scheint mir doch etwas übertrieben.

Ich sehe meinen Mann an. Der strahlt voller Freude und signalisiert mir, dass ich endlich den Deckel öffnen soll. Ich tue es. Ein kurzer Blick, dann folgt der Schock. Ich schließe die Augen, zähle bis zehn und öffne sie langsam wieder. Erst das eine, dann das andere. Aber es hilft nichts. Der Inhalt ist immer noch derselbe. Okay, Schuhe sind es schon mal, aber, Panik, er hat da irgendwas verwechselt. Da sind Rollen unten dran! Mein von allen guten Geistern verlassener Ehemann hat mir Inline-Skater geschenkt. Ich kann mich gerade noch bremsen, um nicht mit dem Kopf gegen die Tischplatte zu schlagen.
„Freust du dich?“, fragt er. Ich zwinge mir ein verkrampftes Grinsen ab. „Voll!“, sage ich.
„Ich wusste es!“ sag er mit Stolz in der Stimme. „Du machst doch so gerne Sport. Und da dachte ich, ein bisschen Abwechslung kann nicht schaden. Es gibt ja auch immer diese Inliner-Rennen in Berlin, da kannst du ja mal mitma ...“ Seine Worte gehen in ein dunkelverhangenes Blabla über. Ich starre auf die Rollschuhe. Als ich klein war, hatte ich mal solche Dinger. Damals aber noch mit vier in Zweierpaaren angeordneten Rollen. Der Inliner-Boom ist völlig an mir vorbei gezogen. Und jetzt verlangt mein Mann, dass ich mich mit Anfang Dreißig auf diese Dinger stelle? Da sind doch Hintergedanken im Spiel. In meinem Hirn rast es. Steht es um unsere Ehe doch nicht so gut, wie ich immer dachte? Ist er vielleicht sauer auf mich? Im Kopf gehe ich die möglichen Gründe durch. Es sind schon Ehen an weniger zerbrochen. Ich sehe ihn verzweifelt an. Er wiederum strahlt.

„Komm, probier sie an!“, sagt er und macht sich an meinen Füßen zu schaffen. Dann zieht er mich mit Schwung auf die Beine. Keine gute Idee, der Boden hier ist nach alter friesischer Tradition gefliest und glatt wie Schmierseife. Das Letzte, was ich sehe, ist der Tannenbaum, der in rasender Geschwindigkeit auf mich zukommt. „Mama hat den Baum kaputt gemacht!“, heult mein Erstgeborener. Ich schäle mich aus abgebrochenen Ästen, Lametta und zerdrückten Glaskugeln und möchte nichts als sterben. Weihnachten, was für ein Irrtum! Wo war doch gleich der Whisky?